HS-Code erklärt: Zolltarifnummer, KN-Code und TARIC-Code in der EU
Jede Ware, die eine internationale Grenze überschreitet, braucht eine Nummer. Diese Nummer sagt dem Zoll genau, worum es sich bei dem Produkt handelt und welche Einfuhrabgaben anfallen. Der HS-Code ist genau diese Nummer. Die richtige Warennummer entscheidet darüber, wie viel Sie beim Zoll zahlen und ob Ihre Sendung ohne Verzögerung freigegeben wird.
Der HS-Code ist Teil des Harmonisierten Systems (HS), eines weltweiten Klassifizierungssystems, das in mehr als 200 Ländern angewendet wird. Das System deckt rund 98 Prozent des gesamten internationalen Warenhandels ab.
Im deutschen Sprachgebrauch wird der HS-Code auch als Nummer des Harmonisierten Systems bezeichnet. Verwaltet wird das System von der Weltzollorganisation (World Customs Organization, WCO), die es alle fünf bis sechs Jahre aktualisiert.
In diesem Artikel erklären wir, was ein HS-Code ist, wie die EU ihn um KN-Codes und TARIC-Codes erweitert, wie Sie Einfuhrabgaben berechnen und was passiert, wenn Sie die falsche Zolltarifnummer verwenden.
Was ist ein HS-Code?

HS-Code steht für Harmonized System Code, offiziell bekannt als Harmonized Commodity Description and Coding System. Entwickelt wurde das System von der Weltzollorganisation (WCO), eingeführt wurde es im Jahr 1988.
Mehr als 200 Länder verwenden dieselben HS-Codes. Damit bildet dieses System die universelle Sprache des internationalen Handels. Etwa 98 Prozent aller international gehandelten Waren werden innerhalb dieses Systems eingereiht.
Jedes Produkt, das eingeführt oder ausgeführt wird, erhält auf Grundlage seiner Beschaffenheit, seiner Art und seines Verwendungszwecks eine eindeutige numerische Warennummer.
Die Zollbehörden nutzen diese Nummer, um Waren zu identifizieren, Einfuhrabgaben festzusetzen, Handelsvorschriften anzuwenden und Handelsstatistiken zu erheben. Auf der Zollanmeldung und auf der Handelsrechnung ist der HS-Code immer verpflichtend.
Das HS-System ist nicht statisch. Die WCO aktualisiert es alle fünf bis sechs Jahre, um neue Produkte, Technologien und Veränderungen im Welthandel abzubilden.
Die jüngste Aktualisierung erfolgte im Jahr 2022. Da sich Zolltarifnummern ändern, sollten Unternehmen regelmäßig prüfen, ob die von ihnen verwendeten HS-Codes noch aktuell sind.
Wie ist ein HS-Code aufgebaut?

Jeder HS-Code besteht aus sechs Ziffern, die einer festen Hierarchie folgen. Die ersten beiden Ziffern bezeichnen das Kapitel, also die breite Warenkategorie. Die beiden folgenden Ziffern stehen für die Position, eine speziellere Warengruppe innerhalb dieses Kapitels.
Die letzten beiden Ziffern bilden die Unterposition, die genaueste Einreihungsebene auf internationaler Ebene. Das System umfasst 21 Abschnitte, 97 Kapitel und rund 5.000 Warengruppen.
Die 21 Abschnitte decken sämtliche Kategorien international gehandelter Waren ab. Sie reichen von lebenden Tieren und Lebensmitteln in den ersten Kapiteln über Maschinen, Elektronik und Beförderungsmittel in den mittleren Kapiteln bis zu Kunstgegenständen in den letzten Kapiteln.
Jeder Abschnitt und jedes Kapitel enthält ausführliche rechtliche Anmerkungen, damit Waren in allen Ländern auf dieselbe Weise eingereiht werden.
Nachfolgend ein praktisches Beispiel dafür, wie diese Struktur funktioniert:
Produkt: Handtasche aus Leder
HS-Code: 4202 21
- 42 = Kapitel: Koffer, Reisetaschen, Handtaschen und ähnliche Behältnisse
- 02 = Position: Handtaschen, auch mit Schulterriemen, einschließlich Handtaschen ohne Handgriff
- 21 = Unterposition: mit Außenseite aus Leder
HS-Code, KN-Code und TARIC-Code in der EU

Der sechsstellige HS-Code gilt zwar weltweit, die EU ergänzt ihn jedoch um weitere Ziffern für eine genauere Einreihung. Unternehmen müssen wissen, welche Nummer für ihre Situation gilt, unabhängig davon, ob sie Waren aus der EU ausführen oder in die EU einführen.
Die Verwendung der falschen Codeart in einer Zollanmeldung kann zu Verzögerungen und Bußgeldern führen. Wie eine Anmeldung von der ersten Warennummer bis zur Freigabe abläuft, zeigt unsere Übersicht zu den Zolldienstleistungen für Import und Export.
Der HS-Code: 6 Ziffern, international
Der sechsstellige HS-Code bildet die internationale Grundlage und wird von mehr als 200 Ländern und Wirtschaftsräumen verwendet, die das HS-System anwenden.
Er ist der Ausgangspunkt für alle weiteren EU-spezifischen Nummern. Dieselben sechs Ziffern tauchen im Tarifsystem jedes Landes wieder auf, wodurch der HS-Code zur gemeinsamen Sprache des internationalen Handels wird.
Der KN-Code: 8 Ziffern, für die Ausfuhr aus der EU
Bei der Ausfuhr von Waren aus der EU in Drittländer benötigen Unternehmen eine achtstellige Nummer: den KN-Code. KN steht für Kombinierte Nomenklatur (Combined Nomenclature, CN-Code).
Der KN-Code besteht aus dem sechsstelligen HS-Code plus zwei weiteren Ziffern, die von der EU ergänzt werden. In der Ausfuhranmeldung beim Zoll ist der KN-Code verpflichtend.
Darüber hinaus zeigt diese Nummer, ob Ausfuhrbeschränkungen gelten, etwa eine Ausfuhrgenehmigung oder ein Gesundheitszeugnis. Welche Begleitdokumente im Versandverfahren dazukommen, erläutern wir in unserem Beitrag zu den T1-, T2-, T2L- und T2LF-Dokumenten im Versandverfahren.
Der TARIC-Code: 10 Ziffern, für die Einfuhr in die EU
Bei der Einfuhr von Waren aus Drittländern in die EU benötigen Unternehmen eine zehnstellige TARIC-Nummer. TARIC steht für den Integrierten Tarif der Europäischen Union.
Der TARIC-Code besteht aus dem KN-Code plus zwei weiteren Ziffern, die die genauen Einfuhrmaßnahmen und Einfuhrabgaben festlegen. Bei Waren, die Antidumpingzöllen unterliegen, kann der TARIC-Code um zusätzliche Ziffern erweitert werden.
Der TARIC-Code zeigt genau, welcher Zollsatz gilt, ob Zollpräferenzen anwendbar sind und welche Unterlagen oder Bescheinigungen für Ihr konkretes Produkt erforderlich sind.
Nachfolgend sehen Sie, wie dasselbe Produkt unter jeder Codeart aussieht:
| Codeart | Vorgang | Code |
| HS-Code | International | 4202 21 |
| KN-Code | Ausfuhr aus der EU | 4202 21 00 |
| TARIC-Code (handgefertigt) | Einfuhr in die EU | 4202 21 00 10 |
| TARIC-Code (maschinell gefertigt) | Einfuhr in die EU | 4202 21 00 90 |
Wie finden Sie Ihre Warennummer und berechnen die Einfuhrabgaben?

Sobald Sie den richtigen TARIC-Code für Ihr Produkt haben, können Sie den genauen Zollsatz ermitteln und berechnen, wie viel Sie zahlen müssen. In der EU werden Einfuhrabgaben auf Grundlage des Zollwerts Ihrer Waren berechnet.
Der Zollwert setzt sich zusammen aus dem Preis, den Sie für die Waren gezahlt haben, zuzüglich der Kosten für Beförderung und Versicherung bis zur EU-Grenze oder bis zum Eingangshafen. Eine schnelle Überschlagsrechnung liefert Ihnen unser Rechner für Einfuhrabgaben und Einfuhrumsatzsteuer.
Nachfolgend ein praktisches Beispiel für diese Berechnung:
- Produkt: 30.000 Longdrinkgläser aus gehärtetem Glas, eingeführt aus China
- Warenwert: 10.000 Euro
- Beförderungs- und Versicherungskosten bis zur EU-Grenze: 2.000 Euro
- Zollwert: 12.000 Euro
- Zollsatz (laut TARIC-Code): 11 Prozent
- Zu zahlende Einfuhrabgaben: 1.320 Euro
Wo finden Sie Ihren TARIC-Code und die geltenden Einfuhrabgaben?
- Elektronischer Zolltarif (EZT-online): Das offizielle Werkzeug des deutschen Zolls, um TARIC-Codes und Zollsätze nachzuschlagen. Suchen Sie nach Warenbeschreibung oder HS-Code. Die Datenbank enthält Einfuhrzollsätze, Zollpräferenzen und die erforderlichen Unterlagen je Waren- und Länderkombination.
- Access2Markets: Das Online-Werkzeug der Europäischen Kommission, um Einfuhrzollsätze und Handelsvorschriften für jedes Produkt in jedem Land nachzuschlagen. Besonders hilfreich bei der Ausfuhr in Länder außerhalb der EU.
- Auskunft des Zolls: Die Zentrale Auskunft des deutschen Zolls unterstützt Sie bei Fragen zur Einreihung. Für Anmeldungen über niederländische Häfen erreichen Sie den niederländischen Zoll unter +31 55 538 5389.
Wichtiger Hinweis zur Befreiungsgrenze von 150 Euro
Derzeit sind Waren, die aus Drittländern eingeführt werden und einen Wert von 150 Euro oder weniger haben, von Einfuhrabgaben befreit. Diese Befreiung entfällt zum 1. Juli 2026. Ab diesem Zeitpunkt gelten für alle B2B-Sendungen die regulären Zollsätze, unabhängig vom Warenwert.
Für B2C-E-Commerce-Sendungen bis 150 Euro gilt ab dem 1. Juli 2026 ein pauschaler Einfuhrzoll von 3 Euro je Produktart.
Was passiert, wenn Sie den falschen HS-Code verwenden?
Die Verwendung eines falschen HS-Codes gehört zu den teuersten Fehlern, die ein Importeur oder Exporteur machen kann. Eine unzutreffende zollrechtliche Einreihung entsteht durch komplexe Produkte, unklare Warenbeschreibungen, menschliche Fehler oder veraltete Nummern.
Unabhängig von der Ursache trägt der eingetragene Importeur die Folgen, also die Partei, die rechtlich für die Richtigkeit der Zollanmeldung verantwortlich ist. Wer diese Verantwortung übernehmen darf und welche Unterlagen dafür nötig sind, erklären wir unter Zollvollmachten für die Vertretung gegenüber dem Zoll.
Das kann passieren, wenn Sie den falschen HS-Code verwenden:
- Verzögerung der Sendung: Der Zoll hält die Sendung für eine zusätzliche Kontrolle zurück, was Tage oder sogar Wochen kosten kann.
- Bußgelder und Sanktionen: Der Zoll kann Bußgelder wegen unrichtiger Einreihung verhängen, selbst wenn der Fehler unbeabsichtigt entstanden ist.
- Nacherhebung von Einfuhrabgaben: Der Zoll kann bis zu drei Jahre nach der Einfuhr Abgaben nacherheben, wenn durch eine falsche Nummer zu wenig gezahlt wurde.
- Verlust von Zollpräferenzen: Mit einer falschen Nummer entgehen Ihnen niedrigere Zollsätze, die über Handelsabkommen der EU mit bestimmten Ländern verfügbar wären.
- Mehr Zollkontrollen: Eine Vorgeschichte mit fehlerhaften Nummern kann dazu führen, dass Ihr Unternehmen häufiger für Prüfungen und Audits ausgewählt wird.
Wenn Sie Rechtssicherheit über den richtigen TARIC-Code für Ihr Produkt wollen, können Sie eine verbindliche Zolltarifauskunft (vZTA) beim Zoll beantragen.
Eine vZTA ist eine schriftliche und rechtsverbindliche Entscheidung, die in der gesamten EU drei Jahre ab dem Ausstellungsdatum gültig ist. Mündliche Auskünfte einer Zollauskunftsstelle oder eines Zollberaters sind nicht rechtsverbindlich.
Erhalten Sie eine vZTA, sind Sie verpflichtet, diese bei der Ein- und Ausfuhr Ihrer Waren zu verwenden. Unternehmen, die ihre Prozesse dauerhaft sauber aufstellen wollen, profitieren zusätzlich vom Status des zugelassenen Wirtschaftsbeteiligten (AEO).
Sichern Sie die richtige Zolltarifnummer mit fachkundiger Zollunterstützung
Den richtigen HS-Code, KN-Code und TARIC-Code zu finden und zu prüfen, erfordert echtes Zoll-Know-how. Eine falsche Nummer führt schnell zu Verzögerungen, Bußgeldern und Nacherhebungen von Einfuhrabgaben bis zu drei Jahre rückwirkend.
Für Importeure und Exporteure sorgt eine professionelle Zollabfertigung dafür, dass die Nummern stimmen, bevor die Waren die Grenze überschreiten. Wie stark die Digitalisierung dabei hilft, zeigt unser Beitrag zu Portbase und der digitalen Zollabfertigung in den Niederlanden.
The Customs Company ist ein AEO-zertifizierter Zolldienstleister in den Niederlanden, mit direkten Verbindungen zum niederländischen Zoll und zu Portbase.
Mit Unterstützung rund um die Uhr sorgt das Team dafür, dass Ihre HS-Codes, TARIC-Codes und Berechnungen der Einfuhrabgaben stets korrekt abgewickelt werden. Wenn Sie zusätzlich die Einfuhrumsatzsteuer verlagern wollen, lohnt ein Blick auf die steuerliche Vertretung in den Niederlanden.
Häufig gestellte Fragen
F: Was ist der Unterschied zwischen einem HS-Code und einem TARIC-Code?
A: Der HS-Code ist die internationale Grundlage mit sechs Ziffern. Der TARIC-Code ist die EU-spezifische Nummer mit zehn Ziffern für die Einfuhr, die Zollsätze und Vorschriften auf der Basis des HS-Codes ergänzt.
F: Wie finde ich den richtigen HS-Code für mein Produkt?
A: Suchen Sie im Elektronischen Zolltarif (EZT-online) oder über Access2Markets. Für Rechtssicherheit können Sie eine verbindliche Zolltarifauskunft (vZTA) beim Zoll beantragen, die drei Jahre gültig ist.
F: Was passiert, wenn ich den falschen HS-Code verwende?
A: Der Zoll kann Bußgelder verhängen und bis zu drei Jahre rückwirkend Einfuhrabgaben nacherheben. Zusätzlich kann Ihre Sendung zurückgehalten werden und Sie können Zollpräferenzen verlieren.